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Berlin, 25. April 2026. Ryanair möchte zum Winter die Hälfte des Flugangebots am Hauptstadtflughafen BER reduzieren und seine sieben dort stationierten Flugzeuge abziehen.
Hierzu erklärt ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel:
„Deutschland schaut nach der Ryanair-Ankündigung auf den Flughafen BER, aber eigentlich ist es keine Entscheidung gegen Berlin, sondern gegen den Luftverkehrsstandort Deutschland insgesamt. Die angekündigte deutliche Reduzierung des Angebots am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) zeigt exemplarisch, unter welchem Druck Airlines in Deutschland stehen – und welche strukturellen Wettbewerbsnachteile bestehen.“ Ein Blick auf die Zahlen zeigt sehr deutlich, wo das eigentliche Problem liegt: nicht bei den Flughafenentgelten, sondern bei den Standortkosten* in Deutschland. Dies wird sowohl im konkreten Vergleich einzelner Strecken als auch im generellen Kostenvergleich der Standorte deutlich: Während ein Flug von Berlin nach Palma Airlines rund 7.600 Euro kostet, sind es ab Warschau nur etwa 4.400 Euro. Ein Flug nach New York kostet von einem deutschen Flughafenstandort rund 25.300 Euro, während an einem vergleichbaren europäischen Standort lediglich etwa 13.900 Euro anfallen.
Struktureller Wettbewerbsnachteil bremst Passagierentwicklung
Diese erhebliche Kostendifferenz unterstreicht den strukturellen Wettbewerbsnachteil deutscher Flughäfen im internationalen Vergleich. Die aktuellen Verkehrszahlen im europäischen Vergleich bestätigen diesen Befund eindrücklich: Während viele Nachbarländer teils deutliche Zuwächse beim Passagieraufkommen verzeichnen – etwa Polen mit +122 Prozent, Luxemburg mit +100 Prozent oder Tschechien mit +51 Prozent im Zehnjahresvergleich (2015–2025) – stagniert Deutschland mit lediglich +1,7 Prozent nahezu. Der Luftverkehr wächst in Europa, aber er wächst zunehmend an Deutschland vorbei. „Die Folge ist eine schleichende Erosion der angebotenen Flugstrecken und damit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Standorte. Überhöhte Steuern und Gebühren verhindern, dass deutsche Flughäfen am dynamischen Wachstum des europäischen Luftverkehrs partizipieren“, so Beisel.
Flughafenentgelte nicht der Kostentreiber
„Die Diskussion um angeblich steigende Flughafenentgelte greift zu kurz. Die Flughafenentgelte selbst liegen im unteren europäischen Durchschnitt und machen nur einen vergleichsweisen kleinen Anteil an den Gesamtkosten einer Airline aus. Zudem folgen sie dem Prinzip der Nutzerfinanzierung: Wer Infrastruktur nutzt, beteiligt sich an ihrer Finanzierung“, erläutert Ralph Beisel.
Wettbewerb wird politisch entschieden
„Wenn Deutschland im internationalen Luftverkehr mithalten will, braucht es dringend eine nachhaltige Kehrtwende bei den staatlich bedingten Standortkosten. Der Wettbewerb wird nicht am Flughafen entschieden – sondern in der Standortpolitik. Die Entscheidung von Ryanair ist leider kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems. Ohne eine konsequente Entlastung bei staatlichen Steuern und Gebühren – insbesondere die Abschaffung der Luftverkehrsteuer – werden weitere Angebotskürzungen zur Regel. Deutschland droht im internationalen Luftverkehr den Anschluss nicht nur zu verlieren, sondern strukturell abgehängt zu werden“, warnt Beisel.

