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Berlin, 09. Mai 2026. Der Flughafenverband ADV hat seine Passagierprognose für das laufende Jahr anpassen müssen. Bei der Vorstellung der neuen Zahlen erklärte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel gestern in Berlin dazu:
„An den deutschen Flughäfen treffen mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig aufeinander. Die ohnehin durch stark steigende Kerosinpreise belasteten Fluggesellschaften sind in Deutschland zusätzlich mit einer schwachen Konjunkturentwicklung und überproportional hohen Steuern konfrontiert. Das setzt die Flughafenstandorte weiter unter Druck. Über alle Flughäfen erwarten wir nur noch eine stagnierende Passagierentwicklung für das aktuelle Jahr. Wir sehen bereits, dass insbesondere Low-Cost Airlines touristische Nebenstrecken aus ihrem Flugprogramm streichen. Besonders betroffen sind Flugverbindungen mit geringer Nachfrage oder niedrigen Margen.“
Tatsächlich setzen die anhaltend hohen Kerosinpreise den Luftverkehr europaweit unter wirtschaftlichen Druck. Airlines reagieren in solchen Marktphasen erfahrungsgemäß zunächst mit einer Überprüfung einzelner Strecken und Kapazitäten. Der teilweise Rückzug von Ryanair am Flughafen BER zeigt exemplarisch, wie sensibel insbesondere preissensitive Geschäftsmodelle auf steigende Betriebs- und Standortkosten reagieren.
Hausgemachte Standortnachteile verschärfen die Lage
Trotz der in Aussicht gestellten Absenkung der Luftverkehrsteuer bleibt die Steuerbelastung in Deutschland auf einem Rekordwert. Die im europäischen Vergleich weiterhin überhöhten staatlichen Belastungen verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafenstandortes Deutschland zusätzlich.
Entschlossenes Handeln der Bundesregierung erforderlich
„Aktuell ist der Luftverkehr in Deutschland stabil und der Sommerreiseverkehr nicht gefährdet. Gleichzeitig müssen wir die wirtschaftlichen Entwicklungen realistisch bewerten. Angesichts hoher Steuern und Gebühren sowie massiv steigender Kerosinkosten droht sich der Verlust an Airlines und Flugverbindungen weiter zu verschärfen. Schnelles politisches Handeln ist erforderlich. Kurzfristig braucht es eine Aussetzung der Luftverkehrsteuer, mittelfristig zumindest eine Halbierung. Nur mit wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen lassen sich Konnektivität, Wertschöpfung und Mobilität nachhaltig sichern“, ordnet der ADV-Hauptgeschäftsführer die aktuelle Lage ein.

