Eurocontrol: „Challenges of Growth 2008“-Studie

Die European Organisation for the Safety of Air Navigation (EUROCONTROL) beleuchtet mit der Studie „Challenges of Growth 2008“ vom 3. Februar 2009 zukünftige Herausforderungen des europäischen Luftverkehrs. Es handelt sich dabei bereits um die dritte Ausgabe der Serienstudie „Challenges of Growth“ (2001, ’04, ’08).

EUROCONTROL geht darin insbesondere auf die künftigen Herausforderungen für die Branche ein, welche aus der stark wachsenden Nachfrage im Luftverkehrssektor resultieren werden. Die Studie zielt darauf ab, Entscheidungsträger mit aktuellen und relevanten Informationen über die wahrscheinlichsten Zukunftsszenarien zu versorgen.

Das Fazit der Studie lautet: Das europäische Luftverkehrssystem muss „agiler“ werden, um auf die Herausforderungen des Wachstums adäquat reagieren zu können.

Im Einzelnen werden in „Challenges of Growth 2008“ fünf besonders relevante Herausforderungen skizziert: Neben den europaweit limitierten Flughafenkapazitäten spielen die zunehmend stark belasteten Luftverkehrsnetze und die Bemühungen zur Verminderung der Umweltbelastungen eine zentrale Rolle. Der Klimawandel wird laut EUROCONTROL zudem mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass sich die Nachfragestruktur im Luftverkehr verändert. Eine weitere Herausforderung wird darin gesehen, einen institutionellen und sozialen Wandel herbeizuführen, der eine zeitnahe Implementierung von SESAR (Single European Sky ATM Research) ermöglicht und damit mehr Kapazität schafft.

 

EUROCONTROL kommt in der Studie zu folgenden Schlussfolgerungen:

-       Insgesamt sind die europäischen Flughafenausbauplanungen (neue Landebahnen, Terminals, neue Flughäfen) heute besser an die vorhergesagte zukünftige Nachfrage angepasst, als sie es noch vor vier Jahren waren (Planung bis 2030: + 41% Kapazität verglichen mit 2007). Dennoch wird für 2030 von einer Fehlkapazität von mindestens 2,3Mio. Instrumentenflügen (11%) ausgegangen.

-       Die Kapazitätsengpässe an europäischen Flughäfen werden, wie in vorherigen Studien, weiterhin als enorme Herausforderung angesehen, selbst wenn alle aktuellen Aus- und Neubau-Planungen umgesetzt werden können.

-       Das Luftverkehrs-Management muss sich auf ein extrem stark frequentiertes Verkehrsnetzwerk einstellen und entsprechende Vorbereitungen treffen (mehr Verspätungen durch weniger Kapazität wahrscheinlich, weniger „Aufholmöglichkeit“).

-       Der Hochgeschwindigkeits-Schienenverkehr bietet nur eine begrenzte Alternative zur wachsenden Luftverkehrsnachfrage. Andere Alternativmaßnahmen scheinen in diesem Zusammenhang effektiver: Benutzung alternativer Flughäfen, Kombination aus Verbesserungen von SESAR und Flughafeninvestitionen.

-       Zusätzlich zum internationalen Treibhausgas-Problem werden lokale Luftqualität und Schallemissionen in Flughafennähe zukünftig eine noch größere Herausforderung darstellen (positive Korrelation Wohlstand – Sensibilität Lärm/Luftqualität; nur moderate Verringerung des „noise footprint“ wird nicht genügen um weiteren Widerstand zu verhindern).

-       Der Klimawandel kann die Nachfragesituation nachhaltig verändern (z.B. längere Sommer-Urlaubssaison, weniger Nachfrage nach zu heiß gewordenem Mittelmeerraum, weniger Schnee im Winter führt evtl. zu anderer Nachfrage in Wintersaison), außerdem wird es Auswirkungen auf die Infrastruktur und den Flugbetrieb geben, da sich das Wetter ändert (mehr extreme Wetterlagen).

 

Darüber hinaus wird angenommen, dass die Effekte des Luftverkehrs auf die Umwelt zunehmend in den Fokus von Öffentlichkeit und Gesetzgebung geraten, wobei neben Kohlendioxidemissionen auch Stickoxide und Kondensstreifen eine Rolle spielen werden. Die Studie prognostiziert eine Reduktion des Luftverkehrs aufgrund des Emissionshandels um eine Million Abflüge ( = 5%) bis 2030.

 

Download Studie  „Challenges of Growth 2008“ (pdf, 2,36 MB)